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28. Juni. Gegen 10.15 Uhr erreichen große Gruppen von Demonstranten die Kochanowski- und die Młyńska-Straße vor dem Gefängnis. Die Demonstranten befreien die Häftlinge und erbeuten die sich im Gefängnisdepot befindenden Waffen. In der Kochanowskistraße wird versucht, in das Gebäude des Wojewodschaft-Sicherheitsamtes eizudringen. Gegen 11.00 Uhr fallen die ersten Schüsse aus dem Gebäude des Sicherheitsamtes. In den Nachmittagsstunden erreichen militärische Verbände Poznań. Die Kämpfe der Funktionäre des Sicherheitamtes und des Militärs mit den Demonstranten dauern die ganze Nacht an. 57 Todesopfer sind zu beklagen, und 450 Personen werden verletzt.   


Annemarie Doherr (Korrespondentin der “Frankfurter Rundschau”):

Ich stand am Fenster einer Privatwohnung in der Rooseveltstraße, nur 400 Meter vom Gebäude der “Sicherheit” entfernt. Die Maschinengewehre knatterten unaufhörlich. Ständig wiederholte sich die Flucht der verschreckten Massen in die Toreingänge. Drei schwere Panzer vom Typ T-34 rollten lärmend über die regennassen Straßen und standen unter den Fenstern der Häuser. Eine Frau befestigte eine Flagge am Turm des Panzers... Mit Tränen in den Augen sangen sie das alte polnische Kirchenlied “Gott, der du Polen...”. Die französischen Messeteilnehmer riefen in die Menge: “Vive la Pologne!”.