November-Dezember. In vielen Industriebetrieben Polens entstehen Arbeiterräte als besondere und unabhängige Vertretungen der Belegschaft. Die Aktion beginnt im Autowerk FSO im Warschauer Stadtteil Żerań.
Maria Dąbrowska (Schriftstellerin):
Leszek bringt Nachrichten von seltsamen Dingen, die an der Universität, der Technischen Hochschule und in Żerań geschehen sind. [Wiktor] Kłosiewicz (der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes, ein außerordentlich verhaßter Mann) wollte die Fabrik besuchen. Er besaß die Unverschämtheit, in einem luxuriösen Cadillac vorzufahren. Die Arbeiter schlugen ihm sofort die Scheiben ein und ließen die Luft aus den Reifen; er selbst wurde ausgepfiffen, dann in seinen Cadillac gesteckt und mit dem Wagen hinter die Toreinfahrt hinausgeschoben. Sofort erschien eine Todesanzeige an der Mauer der Universität: “An dem und dem Tage starb W. Kłosiewicz eines politischen Todes”.
Lechosław Goździk (Arbeiterführer, Erster Sekretär des Betriebskomitees der PVAP im Autowerk FSO in Żerań):
Was wir gewollt haben, wird aus den Losungen ersichtlich, die wir trugen. Am wichtigsten war die Souveränität Polens. Eine andere wichtige Sache war, daß wir die Herren im eigenen Haus sein wollten; deshalb haben wir Arbeiterräte gebildet.
Nach dem Achten Plenum [des ZK der PVAP] entstanden solche Räte wie Pilze nach dem Regen, in ganz Polen. Das Telefon hörte gar nicht mehr auf zu klingeln, Abordnungen kamen eine nach der anderen, und wir konnten gar nicht nachkommen, um den Leuten alle Informationen mitzuteilen. [...] Außerdem waren die Machthaber nicht an der Propagierung dieser Arbeiterräte interessiert. Sie fürchteten sie und den Verlauf der Wahlen zu ihnen. Die ganze Zeit lebten sie in Angst, daß die Partei in den Betrieben dadurch in den Schatten geraten könnte. [...] Wir hatten Grund zur Hoffnung, daß wir wirklich die Herren im eigenen Haus werden.











