26.-27. Oktober. Trotz des Rücktritts von Ernö Gerö breitet sich der Aufstand auf andere Städte aus. Ganze Einheiten der ungarischen Armee gehen auf die Seite der Aufständischen über. Das kommunistische System in Ungarn hört auf zu bestehen, die Partei zerfällt.
28. Oktober. Ministerpräsident Nagy erklärt den Aufstand zur nationalen demokratischen Revolution und löst den Staatssicherheitsdienst (AVH) auf.
30. Oktober. In der Nacht trifft eine sowjetische Delegation in Budapest ein und vereinbart den Rückzug des Militärs; gleichzeitig bereiten die Sowjets heimlich einenen weiteren bewaffneten Angriff vor.
Ákos Engelmayer (Schüler der Abiturklasse):
Nicht weit von meinem Haus entfernt, auf dem Szen-PLatz, versammelten sich junge Aufständische. Ich schloß mich ihnen an.
Wir brauchten Waffen gegen die sowjetischen Panzer – Flaschen mit Benzin. Der Verkäufer in der Apotheke gab uns Benzin, wofür wir ihm eine Quittung ausstellten. Danach ging ich durch die Wohnungen des aus der Vorkriegszeit stammenden Mietshauses und bat die Leute um Flaschen. In jeder Wohnung wohnten mehrere Familien auf engstem Raum miteinander. Ich erinnere mich an eine Frau mit drei Kindern, wo schreckliche Armut herrschte. Die Frau goß schluchzend den Tomatensaft, den sie für den Winter vorbereitet hatte, in eine Wanne und gab mir die Flaschen.
Marian Bielicki (Journalist):
Nach der Dämmerung haben wir das Haus erreicht, in dem wir übernachten sollen. [..] Eine grauhaarige ältere Frau aus dem ersten Stock hat erfahren, daß Polen gekommen sind, und lädt uns zum Tee in ihre Wohnung ein.
Die alte Frau sagt: “Niemand legt die Waffen nieder, solange keine Gewißheit darüber besteht, daß die sowjetischen Truppen abgezogen werden. Das sagen alle – die Kommunisten und die Nichtkommunisten. [...] Das sind Angelegenheiten der Ungarn, und nur die Ungarn können sie miteinander in Ordnung bringen”.
[...] Hinter den Fenstern, in dem von Oktoberluft erfüllten Dunkel, knattern Maschinengewehre, bellt das Dauerfeuer von Maschinenpistolen, und die Erde ächzt dumpf vom Echo des Kanonendonners. Budapest kämpft, Budapest blutet, Budapest kennt keine Nachtruhe.












